Vergleich zerstörungsfreier Prüfverfahren für Schweißnähte mit Normen und Kosten
Bild: Verbindungskunde

Schweißen

Teil von Schweißverbindungen prüfen Leitfaden für Prüfverfahren, Normen und Fehlerbewertung

Schweißverbindungen prüfen im Vergleich der ZfP-Verfahren

Schweißverbindungen prüfen: Vergleich von VT, PT, MT, UT und RT nach DIN EN ISO 17635, 3452, 9934, 17640 und 17636 mit Kosten je Prüflos und Anbietern.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf zerstörungsfreie Verfahren prüfen SchweißnähteSichtprüfung, Eindringprüfung, Magnetpulverprüfung, Ultraschallprüfung und Durchstrahlungsprüfung.
  • DIN EN ISO 17635 ordnet Verfahren, Prüfumfang und Bewertungsgruppen den Gütestufen der Schweißnaht zu.
  • Typische Kosten liegen bei 80 bis 250 Euro netto je Prüflos, abhängig von Verfahren, Losgröße und Dokumentation.
  • TÜV, DEKRA und Applus prüfen mit Personal nach DIN EN ISO 9712 und stellen Prüfprotokolle aus.
  • Oberflächenverfahren wie PT und MT finden nur Fehler, die die Oberfläche erreichen.

Fünf Verfahren, fünf Normen, unterschiedliche Aussagekraft

Fünf Verfahren, fünf Normen

Norm

Sichtprüfung (VT)
DIN EN ISO 17635
Eindringprüfung (PT)
DIN EN ISO 3452
Magnetpulverprüfung (MT)
DIN EN ISO 9934
Ultraschallprüfung (UT)
DIN EN ISO 17640
Durchstrahlungsprüfung (RT)
DIN EN ISO 17636

Nachweis

Sichtprüfung (VT)
Oberflächenfehler, Nahtgeometrie
Eindringprüfung (PT)
Risse, Poren, Bindefehler an der Oberfläche
Magnetpulverprüfung (MT)
oberflächennahe Risse
Ultraschallprüfung (UT)
Volumenfehler, Bindefehler, Risse
Durchstrahlungsprüfung (RT)
Poren, Einschlüsse, Dopplungen

Grenze

Sichtprüfung (VT)
nur sichtbare Zonen, Erfahrung nötig
Eindringprüfung (PT)
nur nichtporöse Werkstoffe, Reinigung nötig
Magnetpulverprüfung (MT)
nur ferromagnetische Werkstoffe
Ultraschallprüfung (UT)
glatte Oberfläche, Koppelmittel nötig
Durchstrahlungsprüfung (RT)
Strahlenschutz, begrenzte Wanddicke

Die Norm DIN EN ISO 17635 verbindet Gütestufen mit Prüfumfang und Verfahren. Regeln zu Personal, Kalibrierung und Dokumentation betreut der Normenausschuss Schweißtechnik im DIN. Wer die Verfahren selbst vergleicht, sollte die dort hinterlegten Normblätter vor der Ausschreibung prüfen.

ZfP-Verfahren: Norm, Nachweis, Grenze

VT

Norm
17635
Nachweis
Oberfläche
Grenze
nur sichtbar

PT

Norm
3452
Nachweis
Oberflächenrisse
Grenze
nichtporös

MT

Norm
9934
Nachweis
oberflächennah
Grenze
ferromagnetisch

UT

Norm
17640
Nachweis
Volumen
Grenze
glatte Oberfläche

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Werkstoff, Wanddicke, Fehlerart und Gütestufe. DIN EN ISO 17635 nennt Prüfumfang und Annahmekriterien für jede Stufe.

Prüfpersonal braucht eine Qualifikation nach DIN EN ISO 9712. Die DGUV beschreibt Prüfung und Zertifizierung von Betrieben, Personen und Ausrüstung. Fehlt der Nachweis, ist das Prüfergebnis für den Abnehmer oft nicht verwertbar.

Was ein Prüflos kostet

Anbieter wie TÜV, DEKRA oder Applus rechnen je Prüflos ab, nicht je Schweißnaht. Typische Preise liegen bei 80 bis 250 Euro netto je Los und Verfahren. Der Betrag enthält Anfahrt, Prüfzeit und Protokoll.

Kosten je Prüflos

  • VT80–110 €
  • PT90–150 €
  • MT90–150 €
  • UT120–200 €
  • RT180–250 €

Die Spannen gelten für Einzelaufträge, netto, zzgl. 19 % USt. Oberflächenverfahren bleiben am günstigsten: VT kostet 80 bis 110 Euro netto, PT und MT je 90 bis 150 Euro netto. UT liegt bei 120 bis 200 Euro netto, RT bei 180 bis 250 Euro netto. Strahlenschutzmaßnahmen und Nacharbeiten erhöhen diese Werte deutlich.

Bei kurzen Nähten verteilt sich der Grundpreis auf wenige Meter, der Preis je Meter steigt. Bündeln Sie mehrere Nähte zu einem Los, um Anfahrt und Rüstzeit zu teilen.

Rahmenverträge mit TÜV, DEKRA oder Applus senken den Preis je Los, weil Anfahrt und Rüstzeit entfallen. Vergleichen Sie mindestens zwei Angebote mit identischem Prüfumfang.

Rechenbeispiel für ein Los mit 40 Metern Kehlnaht:

  • VT zu 100 %90 Euro netto
  • PT zu 100 %140 Euro netto
  • UT als Stichprobe von 10 %160 Euro netto

Summe: 390 Euro netto je Los, zzgl. 19 % USt. Das Beispiel zeigt, welche Position den größten Anteil trägt.

Prüfumfang planen: fünf Schritte

  1. Gütestufe und Prüfumfang nach DIN EN ISO 17635 festlegen.
  2. Verfahren nach Werkstoff, Wanddicke und Fehlerart auswählen.
  3. Losgröße, Nahtlänge und Prüfquote kalkulieren.
  4. Prüfpersonal nach DIN EN ISO 9712 und Geräte prüfen.
  5. Protokoll, Bewertungsgruppe und Fristen vertraglich regeln.

Die Normen lassen sich über die DIN-Anwendungshinweise einsehen und im Betrieb anwenden. Eine frühe Abstimmung mit dem Prüfdienstleister senkt Nacharbeit und Stillstand.

Aussagekraft und Anwendungsgrenzen im Vergleich

Die Sichtprüfung ist Pflicht und Grundlage jeder Dokumentation. Sie erkennt keine Fehler unter der Oberfläche und hängt stark von Licht, Zugänglichkeit und Erfahrung ab.

PT und MT zeigen Risse und Poren, die die Oberfläche erreichen. PT arbeitet werkstoffunabhängig, benötigt aber saubere Flächen. MT bleibt auf ferromagnetische Stähle beschränkt, Aluminium oder Austenit lassen sich so nicht prüfen.

UT dringt ins Volumen und bewertet Fehlertiefe und Fehlergröße. Die Prüfung erfordert glatte Oberflächen und geschultes Personal. RT liefert ein Bild der Naht, zeigt Poren und Einschlüsse, verlangt jedoch Strahlenschutz und eine begrenzte Wanddicke.

Die Durchstrahlungsprüfung dokumentiert Fehler als Bild und eignet sich für Reparaturstellen. Ultraschall liefert keine Aufnahme, dafür Tiefenangaben in Echtzeit.

Für dünne Bleche oder komplexe Geometrien scheidet RT oft aus, weil die Bildqualität sinkt. Bei Wanddicken über etwa 10 mm und ferritischen Werkstoffen ist UT meist wirtschaftlicher. Bei austenitischen Werkstoffen stößt MT an seine Grenze, dort kommen PT oder RT zum Einsatz.

Häufige Fragen

Welches Verfahren ist am günstigsten?

Die Sichtprüfung (VT) liegt bei 80 bis 110 Euro netto je Los. Sie ersetzt aber keine Volumenprüfung.

Wann ist Ultraschall wirtschaftlicher als Durchstrahlung?

Bei Wanddicken über etwa 10 mm und ferritischen Werkstoffen ist UT meist günstiger, weil Strahlenschutz entfällt.

Welche Norm regelt die Zuordnung der Verfahren?

DIN EN ISO 17635 verbindet Gütestufen mit Prüfumfang und Verfahren. Einzelverfahren regeln DIN EN ISO 3452, 9934, 17640 und 17636.

Muss das Prüfpersonal zertifiziert sein?

Ja, nach DIN EN ISO 9712. Ohne Zertifikat ist das Protokoll für viele Abnehmer nicht belastbar.

Wie viele Prüflose sind sinnvoll?

Fassen Sie Nähte gleicher Bauart und Gütestufe zu einem Los zusammen. Das senkt Rüstzeit und Anfahrt je Meter.

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