Schweißen
Teil von Fügeverfahren vergleichen: Schweißen, Kleben, Schrauben und Nieten im Überblick
Welche Prüfmerkmale zeigen die Verbindungsqualität in Leitfäden?
Prüfmerkmale für Verbindungsqualität: Maße, Festigkeit, Dichtheit, Normen wie DIN EN ISO 5817, DIN 2304 und VDI 2230, Prüfverfahren und Grenzen der Aussage.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Prüfmerkmale zerfallen in drei Gruppen: Maße, Festigkeit und Dichtheit.
- Jedes Fügeverfahren hat eigene Kennwerte und ein eigenes Bezugsregelwerk.
- DIN EN ISO 5817 bewertet Schweißnähte, DIN 2304 ordnet Klebprozesse, VDI 2230 berechnet Schraubenverbindungen.
- Ein Leitfaden nennt Prüfschritte, ersetzt aber keine Prüfung am Bauteil.
- Zerstörungsfreie Verfahren finden Fehler, zerstörende Verfahren liefern Kennwerte.
Prüfmerkmale nach Fügeverfahren
Fügeverfahren vergleichen heißt zuerst, die passende Messgröße zu wählen. Ein Merkmal, das beim Schweißen aussagekräftig ist, hat beim Kleben keine Bedeutung. Die Tabelle ordnet die drei Merkmalsgruppen den Verfahren zu.
| Verfahren | Maß | Festigkeit | Dichtheit | Bezugsregelwerk |
|---|---|---|---|---|
| Schweißen | Nahtdicke, Nahtüberhöhung, Einbrandtiefe | Zugfestigkeit, Härte, Kerbschlagarbeit | Dichtheitsprüfung, Durchstrahlung | DIN EN ISO 5817 |
| Kleben | Klebstoffschichtdicke, Fügespalt | Zugscherfestigkeit, Bruchbild | Prüfung an Dichtklebungen | DIN 2304 |
| Schrauben | Längung, Anziehdrehmoment | Vorspannkraft, Streckgrenze | Dichtheit der Flanschverbindung | VDI 2230 |
Die Zuordnung ist eine Orientierung, kein Zitat aus den Normen. DIN 2304 regelt den Klebprozess, nicht die Prüfung jeder einzelnen Klebung. DIN EN ISO 5817 bewertet Unregelmäßigkeiten in Schweißnähten, nicht die Tragfähigkeit des Bauteils.
Maße, Festigkeit und Dichtheit prüfen
- Maße: Nahtdicke, Nahtüberhöhung, Einbrandtiefe, Klebstoffschichtdicke, Längung.
- Festigkeit: Zugversuch, Zugscherversuch, Härteprüfung, Messung der Vorspannkraft.
- Dichtheit: Druckabfallprüfung, Leckageprüfung mit Prüfgas, Sichtprüfung auf Unterbrechungen.
- Prozess: Anziehdrehmoment, Aushärtezeit, Zustand der Fügeflächen.
Maßprüfungen lassen sich am Bauteil wiederholen. Festigkeitsprüfungen zerstören die Verbindung, deshalb arbeiten Betriebe mit Stichproben oder mit begleitenden Probekörpern. Dichtheit prüft, wer medienführende Verbindungen baut; die Prüfart richtet sich nach dem Medium und der zulässigen Leckagerate.
Ein einzelner Wert belegt keine Qualität. Erst die Kombination aus Maß, Festigkeit und Dichtheit beschreibt eine Verbindung. Bei Nietverbindungen treten Setzkopfmaße, Restdicke und Scherzugversuch an die Stelle von Nahtkennwerten.
Normen als Bezugsrahmen
DIN EN ISO 5817 legt Bewertungsgruppen für Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen fest. Die Gruppen B, C und D staffeln die zulässigen Abweichungen, etwa Poren, Einbrandkerben oder Nahtüberhöhungen. Wer eine Naht bewertet, muss die geforderte Gruppe vor der Fertigung festlegen.
DIN 2304 richtet sich an den Klebprozess. Verlangt wird eine geordnete Prozesskette mit klaren Verantwortlichkeiten. Prüfmerkmal ist damit die Prozessführung, nicht allein das Bauteil.
VDI 2230 liefert Rechenschritte für Schraubenverbindungen. Blatt 1 behandelt Einschraubenverbindungen, Blatt 2 Mehrschraubenverbindungen. Geprüft wird rechnerisch, ob Vorspannkraft, Setzverhalten, Reibung und Betriebslast im zulässigen Bereich bleiben.
Normen entstehen in Ausschüssen, in denen Hersteller, Anwender und Prüfinstitutionen zusammenarbeiten. Einen Überblick über diese Gremien gibt die Übersicht der DIN-Normenausschüsse. Wie Normen entstehen und was sie leisten, beschreibt der DIN-Überblick zu Normen und Standards.
Prüfverfahren, Proben und Messmittel
Zerstörungsfreie Verfahren wie Sichtprüfung, Durchstrahlung, Ultraschall und Dichtheitsprüfung lassen das Bauteil nutzbar. Zerstörende Verfahren wie Zugversuch, Kerbschlagbiegeversuch und Bruchbildbeurteilung liefern belastbare Kennwerte, verbrauchen aber das Prüfstück.
Messmittel gehören zur Prüfkette. Das Anziehdrehmoment lässt sich nur mit kalibrierten Drehmomentschlüsseln beurteilen, wie sie etwa im Produktprogramm von Stahlwille aufgeführt sind. Die Rückführung der Messmittel auf nationale Normale muss dokumentiert sein.
Prüfen und Zertifizieren sind zwei verschiedene Vorgänge. Ein Prüfbericht hält Ergebnisse fest, ein Zertifikat bestätigt, dass ein Betrieb oder ein Verfahren Anforderungen erfüllt. Hinweise dazu stellt der DGUV-Themenbereich Prüfung und Zertifizierung bereit.
Rechenbeispiel: Vorspannkraft überschlagen
Angenommen, eine Verbindung benötigt eine Mindestmontagevorspannkraft von 20 kN. Der Anziehfaktor beträgt 1,6, weil Streuung beim Anziehen eingeplant wird. Rechnerisch ergibt sich eine maximale Montagevorspannkraft von 32 kN. Das Beispiel ist frei gewählt und keine Vorgabe der Richtlinie.
Der Anziehfaktor hängt von Schraube, Reibwert, Werkzeug und Montageverfahren ab. Ein niedriger Reibwert erhöht die Vorspannkraft bei gleichem Drehmoment, ein hoher senkt sie. Ohne Messung kennt der Monteur das Drehmoment, nicht die Vorspannkraft im Gewinde.
Woran sich brauchbare Prüfmerkmale erkennen lassen
Ein brauchbarer Leitfaden nennt zu jedem Schritt eine Messgröße, ein Verfahren und einen Grenzwert oder eine Bewertungsgruppe. Fehlen Grenzwerte, bleibt die Aussage unprüfbar. Ebenso wichtig ist der Geltungsbereich: Für welche Werkstoffe, Blechdicken und Lastfälle gilt die Angabe?
Vorsicht bei Empfehlungen ohne Annahmen. Ohne Reibwert, Werkstoffkennwert und Oberflächenzustand ist ein Ergebnis nicht nachvollziehbar. Wer einen Leitfaden auswählt, sollte außerdem prüfen, wer ihn herausgibt und ob ein Verband oder ein Normungsgremium dahintersteht.
Quellen unterscheiden sich in ihrer Verbindlichkeit. Eine DIN-Norm oder eine VDI-Richtlinie wird in einem Gremium beraten und veröffentlicht. Ein Leitfaden eines Instituts oder Verbands hat diesen Status nicht. Herstellerangaben in Datenblättern sind Produktinformationen und keine unabhängige Prüfung.
Häufige Fragen
Ersetzt ein Leitfaden eine Zertifizierung?
Nein. Ein Leitfaden ist ein Arbeitsmittel. Er beschreibt Prüfschritte, stellt aber keinen Nachweis gegenüber Kunden oder Behörden aus.
Welche Norm bewertet Schweißnähte?
DIN EN ISO 5817 mit den Bewertungsgruppen B, C und D, angewendet auf Schmelzschweißverbindungen. Die geforderte Gruppe legt der Auftraggeber vorher fest.
Genügt die VDI 2230 als Prüfung einer Schraubenverbindung?
Nein. Die Richtlinie liefert ein Rechenmodell. Ob die Vorspannkraft im Bauteil tatsächlich anliegt, zeigt erst eine Messung, etwa über die Längung der Schraube.
Warum ersetzt eine Dichtheitsprüfung keine Festigkeitsprüfung?
Beide messen Verschiedenes. Eine dichte Verbindung kann zu schwach ausgelegt sein, eine feste Verbindung undicht. Erst die Kombination der Merkmale trägt eine Bewertung.
Welche Rolle spielt die Oberflächenvorbehandlung?
Eine wesentliche. Kleb- und Schweißverbindungen hängen vom Zustand der Fügeflächen ab. Der Leitfaden sollte deshalb Vorbehandlung, Prüfung und Zeitfenster zwischen den Schritten benennen.