
Schweißen
Teil von Fügeverfahren vergleichen: Schweißen, Kleben, Schrauben und Nieten im Überblick
Kosten von Fügeverfahren vergleichen: Kalkulationsraster für die eigene Anwendung
Kosten von Fügeverfahren vergleichen: Kalkulationsraster mit Beispielwerten für Schweißen, Kleben und Nieten, plus Excel, SAP, Fördermittel und Quellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Angebotspreis je Bauteil mischt Material, Zeit, Rüstung und Gemeinkosten. Für den Vergleich von Fügeverfahren trennst du diese Blöcke.
- Als Beispielannahmen dienen netto Werte von 15 Euro pro Meter beim Schweißen, 5 Euro pro Meter beim Kleben und 0,50 Euro pro Stück beim Nieten.
- Das Raster erfasst je Position Schätzung, Datenquelle, Unsicherheit und Erhebungsdatum.
- Einmalaufwand rechnet sich erst über die Stückzahl. Diese Schwelle gehört in die Kalkulation, nicht in eine Kaufentscheidung.
- Fördermittel für Produktionstechnik prüfst du vor der Investition, nicht danach.
Fünf Kostenblöcke statt Angebotspreis
Ein Angebotspreis für ein gefügtes Bauteil vermischt Material, Zeit, Rüstung und Gemeinkosten. Ändert sich die Losgröße, verschiebt sich diese Mischung. Ein Vergleich zweier Fertigungsangebote sagt deshalb wenig über die Verfahren aus.
Wer Fügeverfahren vergleichen will, weist dieselben Blöcke getrennt aus. Sonst wandert ein Rüstanteil in eine Position, die beim anderen Verfahren anders heißt. Erst trennen, dann addieren.
| Kostenblock | Typische Datengrundlage | Unsicherheit |
|---|---|---|
| Rohstoff | Lieferantenpreis, Verschnittquote | mittel bis hoch |
| Herstellungszeit | Arbeitsplan, Zeitaufnahme | mittel |
| Fixkosten | Arbeitsvorbereitung, Prüfmittel, Verpackung | hoch |
| Einmalaufwand | Angebote, Vorrichtungsbau | hoch |
| Betriebskosten | Energie, Instandhaltung, Verbrauchsmaterial | oft ungemessen |
Rohstoff und Herstellungszeit wachsen mit der Stückzahl. Fixkosten und Einmalaufwand bleiben stehen und werden je Teil kleiner. Die Betriebskosten erfasst du getrennt, weil sie selten gemessen vorliegen.
Jede Zahl bekommt einen Beleg oder eine Kennzeichnung als Schätzung. Wer den Energieverbrauch nicht gemessen hat, trägt ihn nicht als Istwert ein. Ein leeres Feld ist belastbarer als eine erfundene Zahl.
Beispielrechnung mit Meter- und Stückpreisen
Das folgende Rechenbeispiel arbeitet mit gekennzeichneten Annahmen, alle Beträge netto: Schweißen 15 Euro pro Meter, Kleben 5 Euro pro Meter, Nieten 0,50 Euro pro Stück. Diese Werte sind kein Angebot und keine Messung an deinem Bauteil.
Beispiel: Eine Schweißnaht von acht Metern Länge kostet bei 15 Euro pro Meter 120 Euro netto. Dieselbe Verbindung als Klebung über acht Meter liegt bei 40 Euro netto. Der Unterschied beträgt 80 Euro je Bauteil.
Bei einer Jahresmenge von 5.000 Teilen summiert sich die Differenz auf 400.000 Euro netto. Bei 500 Teilen sind es 40.000 Euro netto. Der Meterpreis deckt dabei nur die Fügestelle.
Rüstzeit, Prüfaufwand und Nacharbeit kommen hinzu. Bei Schraubverbindungen zählt auch die chemische Schraubensicherung, deren Produktdaten der Hersteller veröffentlicht. Die Produktdaten zu Schraubensicherungen von Loctite nennen Anwendungen und Gebindegrößen.
Vorgehen in fünf Schritten:
- Verbindungsstelle beschreiben und Bezugsgröße festlegen, also Meter, Stück oder Nahtlänge.
- Referenzwert notieren und das Erhebungsdatum ergänzen.
- Rüstzeit, Prüfaufwand und Nacharbeit als eigene Zeilen aufnehmen.
- Einmalaufwand getrennt erfassen und durch die geplante Stückzahl teilen.
- Schätzung, Datenquelle und Unsicherheit je Zeile eintragen.
Stückzahlschwelle beim Einmalaufwand
Der Einmalaufwand entscheidet bei kleinen Mengen über die Verfahrenswahl. Angenommen, ein manuelles Verfahren kostet zwei Euro je Teil, ein automatisiertes einen Euro je Teil bei 4.000 Euro Einmalaufwand. Die Schwelle liegt bei 4.000 Teilen.
Darunter ist das manuelle Verfahren günstiger, darüber das automatisierte. In der Praxis kommen mehrere Einmalposten zusammen, etwa Vorrichtung, Programmierung, Qualifizierung und Nachweisführung.
Der Rechenweg bleibt annahmenabhängig: Weise den unterstellten Einmalaufwand und den unterstellten Stückkostenvorteil getrennt aus. Sonst verdeckt eine einzige Zahl die Unsicherheit.
Excel-Vorlage, ERP-System und Fördermittel
Eine Excel-Vorlage mit fünf Blöcken genügt für den Einstieg. In SAP lässt sich dieselbe Logik über die Kostenträgerrechnung abbilden, sofern Fertigungsaufträge dort geführt werden. Ein Systemwechsel vor dem Vergleich ist nicht nötig.
Fördermittel prüfst du vor der Investition. Die KfW bündelt ihre Förderangebote für Energieeffizienz und Umweltschutz im Unternehmensbereich. Ob eine Vorrichtung oder eine Anlage förderfähig ist, klärt der Antrag, nicht die Kalkulation.
Branchenkennzahlen liefern das Statistische Bundesamt und der VDMA. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Erzeugerpreisindizes und Verdienste, der VDMA erhebt Kennzahlen zum Maschinenbau. Beide Quellen liefern Rahmenwerte, keine Stückkosten für dein Bauteil.
Arbeitsschutz schlägt sich in den Kosten nieder, etwa bei Absaugung, Unterweisung und Schutzausrüstung. Die Vorschriften und Regeln zum Arbeits- und Gesundheitsschutz listet die DGUV.
Annahmen dokumentieren, Unsicherheit senken
Ein Raster trägt nur, wenn die Annahmen nachvollziehbar bleiben. Vier Spalten genügen: Schätzung, Datenquelle, Unsicherheit und Erhebungsdatum. Die Unsicherheit wird in Stufen vermerkt, nicht in Zahlen.
Eine nie gemessene Taktzeit wird im Raster schnell zum Faktum. Später vergleicht jemand Angebote darauf und hält das Ergebnis für belastbar. Deshalb bleibt der Vermerk stehen, solange keine Messung vorliegt.
Normen helfen beim Bezugsrahmen. Welchen Nutzen die Normung für die Wirtschaft stiftet, fasst die Übersicht von DIN zum Nutzen der Normung zusammen. Prüfmaßstäbe und Begriffe sollten zwischen Angebot und Kalkulation identisch sein.
Grenzen des Rasters: Es enthält keine Maschinenpreise, keine Stundensätze und keine fertigen Stückkostenvergleiche. Diese Werte erhebt jedes Unternehmen selbst.
Häufige Fragen
Welche Kostenblöcke gehören in das Raster?
Rohstoff, Herstellungszeit, Fixkosten, Einmalaufwand und laufende Betriebskosten. Jeder Block erhält eine eigene Zeile mit Schätzung, Datenquelle und Unsicherheit.
Womit starte ich den ersten Durchlauf?
Mit den Beispielwerten netto: 15 Euro pro Meter für Schweißen, 5 Euro pro Meter für Kleben, 0,50 Euro pro Stück für Nieten. Kennzeichne sie als Annahme und ersetze sie durch eigene Messungen.
Wann lohnt sich Einmalaufwand?
Die Schwelle ergibt sich aus Einmalaufwand geteilt durch den Stückkostenvorteil. Bei 4.000 Euro Einmalaufwand und einem Euro Vorteil je Teil liegt sie bei 4.000 Teilen.
Darf ich fehlende Werte schätzen?
Ja, wenn die Schätzung gekennzeichnet ist. Belegte Istwerte und Annahmen gehören in getrennte Zeilen.
Welche Software eignet sich?
Für den Einstieg eine Excel-Vorlage mit fünf Blöcken. In SAP bildet die Kostenträgerrechnung dieselbe Logik ab, wenn die Aufträge dort geführt werden.



