Nieten
Teil von Nietverbindungen einsetzen: Verfahren, Werkstoffe und Normen für die Praxis
Nietverbindungen einsetzen Kosten und Wirtschaftlichkeit für die Praxis
Nietverbindungen einsetzen: Kosten, Stückkosten und Amortisation im Vergleich zum Schweißen, inklusive Beispielrechnung für 10.000 Teile und Förderung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nietwerkzeug rund 1000 Euro netto, Schweißgerät rund 3000 Euro netto
- Stückkosten im Rechenbeispiel: 0,21 Euro je Niet, 0,89 Euro je Schweißpunkt
- Die Mehrinvestition von 2000 Euro ist nach knapp 3000 Verbindungen ausgeglichen
- Digitalbonus Bayern und KfW-Programme senken die Anfangsinvestition
- Rüstzeit, Prüfaufwand und Nacharbeit entscheiden über den Vorteil
Investitionskosten: Nieten gegen Schweißen
Ein handgeführtes Nietwerkzeug kostet rund 1000 Euro netto. Ein Schweißgerät für vergleichbare Blechdicken liegt bei rund 3000 Euro netto. Die Differenz beträgt 2000 Euro netto.
Nebenkosten verschieben den Vergleich. Beim Schweißen kommen Absaugung, Schweißaufsicht und Prüfmittel hinzu. Beim Nieten sind es Ersatzeinsätze, Mundstücke und Zangen.
| Position | Nieten | Schweißen |
|---|---|---|
| Gerät | 1.000 Euro netto | 3.000 Euro netto |
| Absaugung | entfällt | 800 bis 2.500 Euro netto |
| Qualifikation | Einweisung | Schweißerprüfung |
| Nacharbeit | Ausbohren, neuer Niet | Nachschweißen, Schleifen |
Betriebskosten und Stückkosten je Verbindung
Die Taktzeit bestimmt den Personalkostenanteil. Eine Blindnietverbindung dauert etwa 12 Sekunden. Bei einem Stundensatz von 45 Euro sind das 0,15 Euro Lohnkosten. Eine Blindniete kostet etwa 0,06 Euro. Zusammen ergibt das 0,21 Euro je Verbindung.
Beim Schweißen dauert ein vergleichbarer Punkt etwa 45 Sekunden einschließlich Nacharbeit. Bei 55 Euro Stundensatz sind das 0,69 Euro. Draht, Gas und Strom kosten rund 0,20 Euro. Daraus folgen 0,89 Euro je Verbindung.
Die Differenz beträgt 0,68 Euro pro Verbindung zugunsten des Nietens. Bei dünnen Blechen, Mischbauweisen und beschichteten Oberflächen ist der Vorsprung größer, weil Wärmeverzug und Nacharbeit entfallen.
Bei hohen Stückzahlen und dicken Blechen dreht sich das Bild. Automatisiertes Schweißen senkt die Taktzeit deutlich.
Beispielrechnung für 10.000 Teile
Annahmen: 10.000 Verbindungen, ein Niet je Verbindung, keine Rüstzeiten, kein Ausschuss.
- Nieten: 10.000 x 0,21 Euro = 2.100 Euro, plus 1.000 Euro Investition = 3.100 Euro
- Schweißen: 10.000 x 0,89 Euro = 8.900 Euro, plus 3.000 Euro Investition = 11.900 Euro
Der Vorteil liegt bei 8.800 Euro für das Nieten. Die höhere Investition beim Schweißen ist nach 2.941 Verbindungen ausgeglichen, gerechnet mit 0,68 Euro Stückkostendifferenz.
Nicht enthalten sind Rüstzeiten, Ausschuss, Werkzeugstandzeiten und Instandhaltung. Diese Positionen können das Ergebnis in beide Richtungen verschieben.
Stellschrauben für die Stückkalkulation
Rüstzeiten fallen unabhängig von der Stückzahl an. Dreißig Minuten Einrichtung kosten bei 45 Euro Stundensatz 22,50 Euro je Los. Bei kleinen Losen wirkt diese Position stärker als jede Stückkostendifferenz.
Werkzeugstandzeiten gehören in die Rechnung. Mundstücke und Einsätze verschleißen je nach Werkstoff und Beschichtung. Die Ersatzteilkosten werden auf die erreichten Verbindungen umgelegt.
Ausschuss und Nacharbeit unterscheiden sich deutlich. Beim Schweißen führen Poren, Spritzer und Verzug zu Nacharbeit. Beim Nieten lässt sich eine Verbindung aufbohren und erneuern, ohne das Bauteil zu verwerfen.
Prüfkosten binden Personal. Schweißnähte werden stichprobenartig geprüft, teils zerstörend. Beim Nieten genügen häufig Sichtprüfung und Zugproben an Musterteilen.
Qualifikation wirkt langfristig. Schweißer benötigen regelmäßig erneuerte Prüfungen. Anlernkräfte sind schneller einsetzbar.
Energie und Arbeitsschutz verursachen laufende Kosten. Schweißrauch erfordert Absaugung und Filterwechsel. Beim Nieten entfallen diese Positionen weitgehend.
Mischbauweise spricht für das Nieten. Aluminium und Stahl lassen sich nieten, aber nur aufwendig schweißen. Dann entscheidet nicht der Preis allein, sondern die Fügbarkeit.
Normen senken den Abstimmungsaufwand in der Kalkulation, weil Nennmaße und Prüfverfahren festgelegt sind; der Nutzen der Normung für die Wirtschaft ist dort beschrieben.
Förderung: Digitalbonus Bayern und KfW
Der Freistaat Bayern fördert digitale Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen über den Digitalbonus Bayern. Gefördert werden unter anderem neue Fertigungs- und Prüftechnik sowie die zugehörige Software. Förderfähig sind Investitionen und Aufwendungen, die einem digitalen Vorhaben dienen. Anträge werden vor Vorhabenbeginn bei der Bewilligungsstelle eingereicht.
Auch der Bund fördert vernetzte Produktion und Fügetechnik; das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beschreibt den Rahmen für Industrie 4.0 in der Fertigung.
Für Energieeffizienz in der Produktion bietet die KfW zinsgünstige Kredite und Zuschüsse. Die Förderangebote für Energieeffizienz und Umweltschutz richten sich an Unternehmen, die Anlagen erneuern oder Prozesse umstellen.
Für die Amortisation zählt der Zuschuss wie eine Senkung der Investition. Sinkt die Anfangsinvestition des Nietwerkzeugs um einen Teilbetrag, verkürzt sich die Zeit bis zum Break-even entsprechend. Eine Förderzusage sollte daher vor der Bestellung geklärt sein.
Häufige Fragen
Ab welcher Stückzahl rentiert sich das Nieten?
Im Rechenbeispiel ist die Mehrinvestition nach 2.941 Verbindungen ausgeglichen. Praktisch hängt die Schwelle von Rüstkosten und Automatisierungsgrad ab. Bei kleinen Serien liegt sie niedriger, bei automatisierten Schweißlinien höher.
Was kostet ein Nietwerkzeug im Einstieg?
Handnietzangen beginnen im zweistelligen Eurobereich. Druckluftnietgeräte für Serien liegen bei rund 1000 Euro netto, Akkugeräte bewegen sich in ähnlicher Größenordnung. Dazu kommen Mundstücke und Ersatzeinsätze.
Welche Förderung passt zu einem Nietprozess?
Der Digitalbonus Bayern greift, wenn die Investition der Digitalisierung dient, etwa bei Prozessüberwachung und Dokumentation. KfW-Programme passen, wenn die Anlage Energie einspart. Eine Kombination klärt die Bewilligungsstelle.
Welche Normen helfen bei der Kalkulation?
Normen legen Nennmaße, Toleranzen und Prüfverfahren fest. Das reduziert Nacharbeit und Bewertungsrisiken in der Kalkulation. Die zuständige Norm sollte vor der Angebotsabgabe geprüft werden.